Fall 4 Leuchtende Blutspuren
Wie man auch winzige oder weggewischte Blutspuren noch nachweisen kann

Abb.: Häm, der zentrale Bestandteil von roten Blutkörperchen (links mit, rechts ohne gebundenen Sauerstoff).
1. Einführung: Der Verdacht
Einführung
Als Sabrina K. ihre Lebenspartnerin Xenia W. als vermisst meldet, geht die Polizei noch nicht von einem Verbrechen aus. Das ändert sich jedoch schlagartig, als einige Tage später die Leiche von Xenia W. in einem nahen Waldstück gefunden wird.
Wie immer in solchen Fällen, sucht die Polizei zuerst im Umfeld des Opfers nach einer möglichen Täterschaft. Die Nachbarin aus der gegenüberliegenden Wohnung sagt aus, sie hätte kurz vor dem Verschwinden von Xenia W. einen lauten Streit in deren Wohnung gehört und am darauffolgenden Morgen verdächtige Flecken auf dem Vorhang gesehen.
Als die Polizei den Vorhang sicherstellt, ist dieser jedoch frisch gewaschen und von Flecken gibt es keine Spur.
2. Theorie
Blut spielt bei der polizeilichen Spurensicherung eine entscheidende Rolle. Mit Hilfe der am Tatort zurückgelassenen Blutspuren ist es möglich, Aussagen über beteiligte Personen, Tatort und -hergang eines Verbrechens zu machen. Häufig versuchen Verbrecher, das Blut wegzuwaschen. Es bleiben aber oft Spuren zurück, welche mit der hier beschriebenen Technik nachgewiesen werden können.
Eine einfache und schnelle Methode zum Nachweisen kleinster, kaum sichtbarer Blutspuren beruht auf dem Prinzip der Chemolumineszenz.
Von Chemolumineszenz spricht man, wenn bei einer chemischen Reaktion Licht ausgesendet (=emittiert) wird. Das Häm ist der Katalysator für diese Reaktion, welche dadurch so stark beschleunigt wird, dass sie sichtbar schnell abläuft. Dabei geschieht etwas sehr Seltenes: Ein Elektron bleibt nach der Reaktion in einem höheren Energiezustand, aus welchem es unter Lichtemission in den Grundzustand übergeht.
3. Auftrag
Arbeitsauftrag
Für diesen Versuch muss sich pro Gruppe eine Person selbst Blut entnehmen. Wegen der Infektionsgefahr (z.B. AIDS) werden dazu nur ganz sichere, sterile Stechhilfen „Accu-Check“ zum Einmalgebrauch verwendet. Bitte pro Gruppe nur einmal stechen; die Stechhilfen sind teuer!
Zuerst mit einem Klinex-Tüchlein und etwas Desinfektionsmittel die Einstichstelle desinfizieren (vorne oder noch besser etwas seitlich am Finger). Danach die längliche Plastik-Schutzkappe durch Drehung entfernen (siehe Bild), die Stechhilfe mit leichtem Druck auf den Finger aufsetzen und mit dem grossen Knopf hinten den Stich auslösen (ist praktisch schmerzfrei!).

Bitte die Stechhilfen nach dem Gebrauch nicht herumliegen lassen, sondern gleich in den Hausmüll geben.
Auf zwei der zugeschnittenen Baumwollestoffe (ca. 2 x 3 cm) wird je 1 Blutstropfen abgestreift. Die Einstichstelle nochmals desinfizieren und mit einem Pflaster bedecken.
Eines der beiden Baumwollstücklein wird danach mit Wasser und den Fingern so lange gewaschen, bis von Auge kein Blutfleck mehr ersichtlich ist. Die beiden Baumwollstücklein werden nun jedes einzeln in ein ganz kleines Becherglas gegeben. Dann geht man in den verdunkelten Raum nebenan und gibt je eine Pipette Luminol-Lösung dazu.
Die gebrauchte Stechhilfe gibt man in den Hausmüll. Das gilt auch für die Stoffstücklein, es sei denn es steht ein speziell bezeichnetes Gefäss für Bioabfall zur Verfügung.
4. Erklärung und Hintergrund
Luminol wird unter Einwirkung von Wasserstoffperoxid oxidiert. Das entstehende Zwischenprodukt reagiert dann mit Hilfe von Protohäm als Katalysator zu einer angeregten Verbindung. Das bedeutet, dass gewisse Elektronen dieser Verbindung in einer höheren Schale sind. Diese Elektronen gehen sogleich unter Abgabe von Licht in den Grundzustand über.
Das dabei als Katalysator wirkende Protohäm ist ein Bestandteil des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin (siehe Abbildung unten).
Bereits sehr geringe Mengen von Blut katalysieren die beschriebene Luminol-Nachweisreaktion. Hierbei ist für die Spurensicherung vor allem wichtig, dass diese Lumineszenz charakteristisch für Blut ist, da andere Körperflüssigkeiten nicht das im Blutfarbstoff Hämoglobin enthaltene Protohäm besitzen (Hämoglobin: bestehend aus Protein-Molekül und Protohäm).

Abbildung: Die katalysierende Protohäm Einheit.
5. Auswertung
6. Weiterführende Informationen (für Interessierte)
- Mit den Suchbegriffen "Luminol" und, "latente Blutspuren" liefern Google und Wikipedia viele Informationen.
- Die Luminol-Reaktion dient nicht nur zur Identifizierung vom Blut, sondern auch der Sichtbarmachung dessen genauer Verteilung und des Musters. Zum Beispiel wird je nach Winkel, mit welchem Blut auf eine Oberfläche auftrifft, der Tropfen runder oder länglicher.
Daher ist die genaue Analyse sichtbarer und latenter Blutspuren für die Rekonstruktion von Geschehensabläufen essenziell und dient als wesentliche Hilfe bei der Unterscheidung zwischen Unfall, Tötungsdelikt und Suizid. - Neben dem sehr wichtigen Luminol-Test gibt es noch diverse andere Möglichkeiten, das Vorhandensein von Blut zu prüfen. Wird ein potentieller Blutfleck gefunden, gibt es Teststäbchen, die sehr schnell anzeigen, ob es sich um Blut handelt oder nicht.
Hat man Blut gefunden, weiss man natürlich noch immer nicht, ob es sich dabei um menschliches Blut handelt. Dafür gibt es wieder einen eigenen Test, der dann jedoch ein Analysegerät erfordert. - Und nicht zuletzt kann man heute auch mit der im Blut vorhanden DNA zeigen, von welcher Person das Blut stammte.